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LRS, Lernbehinderung, Legasthenie


LRS

28/09/11

Literacyentwicklung bei monolingualen Sprechern

05/10/11

Literacyentwicklung bei bilingualen Sprechern

12/10/11

Der Einfluss der sozialen Herkunft I

19/10/11

Der Einfluss der sozialen Herkunft II

26/10/11

Verhaltensstörungen

02/11/11

IQ-Diagnostik und Intelligenztestkritik

09/11/11

Blockwoche

16/11/11

LRS und LB in der diagnostischen Arbeit

23/11/11

Förderdiagnostik im Bereich Lesen und Schreiben

30/11/11

Fördermethoden I

07/12/11

Fördermethoden II

14/12/11

Förderplanung und Dokumentation

21/12/11

Prüfungsvorbereitung

11/01/12

Prüfungsvorbereitung

18/01/12

Prüfungsvorbereitung

25/01/12

Studiengangskonferenz SIGB


lrstab1: Mehrheitsfähige Einsichten in Publikation & Forschung zum Lesen und Schreiben nach Mand 2008

Lesen und Schreiben ist mehr als die bloße Lese/Schreib-Kompetenz.

Die Lese-/Schreibentwicklung beginnt nicht erst in der Schule.

Die Entwicklung von Reading-Literacy vollzieht sich in aufeinander aufbauenden, qualitiativ unterschiedlichen Stufen.


 

lrstab2: Begriff Literacy nach Ulich (2003, 6)

  • Wortbedeutung wörtlich übersetzt: Lese- und Schreibkompetenz.
  • Bedeutung als Fachbegriff: Text- und Sinnverständnis, sprachliche Abstraktionsfähigkeit, Lesefreude, Vertrautheit mit Büchern, die Fähigkeit, sich schriftlich auszudrücken, Vertrautheit mit Schriftsprache oder mit literarischer Sprache oder sogar Medienkompetenz.

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lrstab3: Literacy-Problemgruppen

Kinder mit Migrationshintergrund

Kinder mit Lernbehinderungen

Kinder mit Lese/Rechtschreibschwäche/Legasthenie

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diagtab 12: Stand der Forschung zur Diskrepanzdefinition von Legasthenie nach Deimel 2002

  1. Deimel lehnt die Kritik an der diskrepanzdefinierte Legastheniedefinition ab, weil die Befunde für eine genetische Mitverursachung, für auditive & visuelle Wahrnehmungsstörungen ein beeindruckendes Ausmaß erreicht haben
  2. In der Diskussion der Bedeutung des IQ verweist Deimel zunächst auf englischsprachige Übersichtsarbeiten, die sich hinsichtlich ihrer Schlussfolgerungen nicht einig sind. Aaron (1997) geht davon aus, dass es keine Hinweise auf Unterschiede zwischen Allgemeiner & spezifischer Leistungsschwäche gebe. Meyer (2001) betrachtet die Frage als ungelöst. Marx u.a. (2001) schließen, dass eine Unterteilung leseschwacher Kinder in abgrenzbare Ätiologien zwar möglich sei. Es bleibe aber fraglich, in wie weit die Diskrepanzdefinition einen Beitrag zur Bestimmung dieser Gruppen leiste.
  3. Die deutschsprachige Forschung verwendet vor allem sprachfreie IQ-Tests. Dies führt zu einem (statistisch nur mäßig aussagefähigen) Zusammenhang von 0,4. Es gibt keinen Beleg dafür, dass sich spezifisch und  allgemein Rechtschreibschwache ätiologisch bedeutsam (Marx u.a. 2001) oder in ihrer Förderung unterscheiden (Weber u.a. 2001).

download diagtab12

 

diagtab 13: Diagnose LRS: DSM IV / ICD-10 nach Deimel 2002

1. Schulleistung ist kleiner als aufgrund von IQ, Alter und Beschulung zu erwarten ist

2. Es liegt eine klinisch relevante Beeinträchtigung bzw. ein Leidensdruck vor

3. Ausschluss: unangemessene Beschulung, periphere Seh- & Hörstörung,

DSM IV

ICD 10

neurologische und emotionale Erkrankungen nicht als Ausschlusskriterien genannt

neuologische und emotionale Erkrankungen, die ursächlich für Schulleistungsproblematik sind, als Ausschlusskriterien genannt

Diskrepanz von 2, im begründeten Einzelfall 1 Standardabweichung

Diskrepanz mit Regressionsansatz berechnet

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diagtab 14: Praktisches Vorgehen bei der Diagnose von LRS nach Deimel 2002, 125 / IQ-Tabelle nach Schulte-Körne u.a. 2001

(www.kjhp.uni-marburg.de/kjp/legast/leg/diagnose.htm, Zugriff am 7.10.2005)

  • Die Leistungsmessung erfolgt mit standardisierten Verfahren ab Ende Klasse 2
  • Es sind Schulformübergreifende Normen verwenden
  • Beeinträchtigung und Leidensdruck sollen durch psychologische Untersuchung (Exploration, Testverfahren Emotionaldiagnostik) erhoben werden, das Ausmaß der Beinträchtigung durch Befragung Kind, Eltern, Lehrer)
  • Ausschlusskriterien durch medizinische Untersuchung
  • Diskrepanz: Rechtschreib-Prozentrang < 16, regressionsbasierte IQ-Diskrepanz von 1,5 Standardabweichungen

IQ

Rechtschreib-Prozentrang kleiner als

IQ

Rechtschreib-Prozentrang kleiner als

70-74

1

108-109

10

75-82

2

100-111

11

83-87

3

112

12

88-92

4

113-115

13

93-96

5

116

14

97-99

6

117

15

100-102

7

> 118

16

105-107

9

   

download diagtab14

 

 

lrstab4: Probleme von Migrantenkindern nach Mand 2008 a

Phonetisches Problem

Wortschatzproblem

Grammatikproblem

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lrstab5: LRS und Lernbehinderung

LRS

Lernbehinderung

schwerwiegende, umfängliche & lang andauernde Probleme im Lesen/Rechtschreiben

schwerwiegende, umfängliche & lang andauernde Probleme im Lesen/Rechtschreiben

Entwicklung des mathematischen Denkens normal

schwerwiegende, umfängliche & lang andauernde Probleme in der Entwicklung des mathematischen Denkens

Jungen häufiger betroffen

Jungen häufiger betroffen

Verhaltensprobleme häufiger als bei nicht LRS-Kindern

schwerwiegende Verhaltensprobleme bei etwa einem Drittel aller Förderschüler

soziale Herkunft de fakto häufig nicht soziale Unterschicht (Mittelschichtskinder mit Problemen im Lesen und Schreiben werden häufig als LRS-Kinder eingestuft, aber nur eine kleine Minderheit aller Mittelschichtskinder hat Probleme im Lesen und Schreiben)

soziale Herkunft de fakto ganz überwiegend soziale Unterschicht (Überwiegende Mehrheit der Förderschüler stammt aus sozialer Unterschicht, aber: nur eine kleine Minderheit aller Unterschichtskinder besucht die Förderschule Lernen)

Diskrepanz zwischen IQ & Lese/Rechtschreibentwicklung (bei Anwendung traditioneller diagn. Kriterien)

IQ stark unterdurchschnittlich (bei Anwendung traditioneller diagn. Kriterien) und zugleich schwerwiegende, umfängliche & lang andauernde Schulleistungsprobleme)

Verursachung unklar (multikausales Modell mit pädagogischen Faktoren, sozialen Faktoren & genetischen Faktoren), kein Nachweis einer besonderen, d. h. von der Entstehung von LB abweichenden Genese

Verursachung unklar (multikausales Modell mit pädagogischen Faktoren, sozialen Faktoren &  möglicherweise auch genetischen Faktoren), kein Nachweis einer besonderen, d. h. von der Entstehung von LRS abweichenden Genese

keine besonderen, d. h. von Fehlern von LB-Kindern abweichende Fehlermerkmale

keine besonderen, d. h. von Fehlern von LRS-Kindern abweichende Fehlermerkmale

einziges diagnostisches Instrument mit Vorhersagekraft im Vorschulbereich: Testverfahren zur Überprüfung der phonolog. Bewusstheit

einziges diagnostisches Instrument mit Vorhersagekraft im Vorschulbereich: Testverfahren zur Überprüfung der phonolog. Bewusstheit & soziale Indikatoren

keine besonderen, d.h. nur bei LRS-Kindern wirksamen Fördermethoden  

keine besonderen, d.h. nur bei LB-Kindern wirksamen Fördermethoden

Erleichterungen in der Schule, aber keine Schullaufbahneinschränkungen, keine formalen Hindernisse auf dem Arbeitsmarkt

besonderer Verlauf der Schule, i. d. R. kein Hauptschulabschluss, erhebliche Probleme auf dem Arbeitsmarkt

Therapie erfolgt i. d. R. ambulant & außerschulisch (Finanzierung über Jugendamt & Eltern, große regionale Unterschiede). Anbieter sind: niedergelassende Psychologen, Heilpädagogen, Ergotherapeuten, Legasthenieinstitute

Förderung erfolgt überwiegend in Sonderschulen & bei etwa 13 % der Schüler in integrativen Settings. I. d. R. keine über das Jugendamt finanzierte Therapie

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lrstab6: TV Konsum und Schulbesuch in der LAUF-Studie

(Zeilensummen & prozente errechnet

nach Wocken 2005, 13, 41, 42)

 

Gymnasium

Haupt/- Realschule

SfL

Zeilen- summen

 

5421

3666

513

9600

0-10 Bücher

271

(18.55%)

990

(67,76 %)

200

(13.69%)

1461

 

5%

27%

39 %

15.22 %

 

Gymnasium

Haupt/- Realschule

SfL

Zeilen- summen

mehr als 3 h TV

108 (19.29%)

293

(52.32%)

159 (28.39%)

560

 

2 %

8 %

31 %

5.83%

download lrstab6


LRS Tab 8: Fördermethoden vor der Schule: Phonologische Bewusstheit foerdern

Phonologische Bewusstheit bezeichnet die Fähigkeit von Kindern (und Erwachsenen), Laute aus gesprochener Sprache heraus isoliert wahrzunehmen, sie zu verändern, auszulassen, bzw. die Fähigkeit aus gesprochenen Lauten Worte zusammenzusetzen.

 

SKOWRONEK/MARX  (1989):  Phonologische Bewusstheit im weiteren Sinne umfasst dabei die Fähigkeit, größere sprachliche Einheiten wie Reime oder Silben erkennen und unterscheiden zu können. Bei der phonologische Bewusstheit im engeren Sinne wird dagegen mit lautlichen Strukturen operiert, die weder semantische noch sprechrhytmische Bezüge aufweisen. Inzwischen liegt eine Vielzahl von Studien vor, die auf einen systematischen Zusammenhang zwischen phonologischer Bewusstheit im frühen Lebensalter und späteren Lese-Rechtschreibleistungen verweisen (a.a.O. 53).

 

Ehri u. a. (2001): phonologisches Wissen laesst sich unabhängig von der Landessprache vermitteln lässt (also: in unterschiedlichen Sprachen). Der Transfer auf das Lesen gut belegt ist. Die Effektstärke bei Risikokindern liegt teilweise über 1.0 .

 

Methoden nach Walter (2002):

Laut zu Wort Zuordnung (genannter Laut muss in einem gesprochenen Laut wiederentdeckt werden: Hoerst du ein /f/ in Fisch?)

Wort zu Wort Zuordnung (vorgesprochene Wörter müssen hinsichtlich eines Lautes verglichen werden: beginnen Fisch und Fahrrad gleich?)

 Reime erkennen

Isolierung (ein Laut, dessen Stellung im Wort benannt ist, soll isoliert gesprochen werden; womit faengt Fisch an?)

Phonemsegmentierung  (alle Laute eines Wortes sollen isoliert gesprochen werden)

Laute verbinden (isoliert gesprochene Laute sollen zusammengefuegt und als Wort wiedergegeben werden)

Phonem weglassen

Phonem ersetzen

 

Analyse/Syntheseübungen bringen die stärksten Erfolge. Dies kann noch gesteigert werden, wenn mit Buchstaben gearbeitet wird & die Förderung in Kleingruppen erfolgt.

 

download tab8

 

lrstab9 Das Essener Training zur Förderung der phonologischen Bewusstheit (Mand 2008)

Das Essener Training ist ein Trainingsprogramm zum Einsatz in Kitas bzw. in therapeutischen Zusammenhängen.

Es kann als Einzel- und als Gruppentraining durchgeführt werden und umfasst 50 Sitzungen a 15 Minuten. 

Besonderes Merkmal ist eine komplette Einführung in alle Phoneme der deutschen Sprache. Das Programm eignet sich auch für Kinder mit Deutsch als zweiter Sprache.

Es enthält eine Vielzahl von Übungen, die auch spielerischen Charakter haben und von Kindern sehr gerne angenommen werden.  

Das Essener Training für Kitas arbeitet mit Anlautbildern (anstelle von Buchstaben). Schulmaterialien liegen z. T. schon vor (Anlauttabelle) bzw. sind leicht herzustellen.

Das Essener Training findet sich zum freien Download unter der url: www.johannes-mand.de/training.htm.

Die Wirksamkeit des Trainings wird derzeit evaluiert (Einschulung der ersten trainierten Kinder 2007/2008).

Es ist wahrscheinlich, dass die Wirksamkeit des Essener Trainings mit zunehmenden Alter der trainierten Kinder abnimmt. Es ist eher für Kindergartenkinder bzw. für Schulanfänger gestaltet. Ein Einsatz für ältere Kinder empfiehlt sich also in der Regel nicht.  

download tab9

lrstab10: Psychomotorik für LRS Kinder?

In älteren Publikationen wurde empfohlen, in der Arbeit mit LRS-Kindern spezifische Wahrnehmungs- und Bewegungserfahrungen einzusetzen (z. B. Übungen zur Förderung der sensorischen Integration, Wahrnehmungstrainings. Rechts/Links-Übungen).

Die Vorstellung, derlei sei hilfreich, basiert auf der Annahme, dass LRS-Kinder spezifische motorische Ausfälle bzw. spezifische Wahrnehmungsprobleme haben. Zweitens wird unterstellt,  dass aufgrund dieser Ausfälle LRS-Kindern spezifische Erfahrungen fehlen. Dritte in diesem Zusammenhang häufig publizierte Hypothese: Es ist sinnvoll, diese Erfahrungen in psychomotorischen Settings nachholen zu lassen. Als Beleg für diese Auffassung werden Untersuchungen angeführt, die eine Häufung von Bewegungsauffälligkeiten und Wahrnehmungsstörungen bei LRS Kindern nachweisen.

Diese Auffassung kann man schon seit einigen Jahren als vergleichsweise eindeutig widerlegt bezeichnen. Denn:

LRS lässt sich vor der Einschulung nicht mit Testverfahren vorhersagen, die die motorische Entwicklung bzw. die Wahrnehmung untersuchen (Dies geht nur mit Testverfahren zur Diagnose der Phonologischen Bewusstheit).

Motorische Auffälligkeiten und Wahrnehmungsstörungen zeigen sich auch bei Kindern, die ganz offensichtlich keine LRS entwickeln.

Und vor allem: Die Wirksamkeit von psychomotorischen Übungen und Wahrnehmungstrainings bei LRS ist inzwischen sehr gut untersucht. Die mittlere Effektstärke liegt unter 0,1 (eine Übersicht z. B. bei Walter 2002: 180 Studien, mittlere Effektstärke 0,08). Anders formuliert: Psychomotorische Trainings haben keine nennenswerte positive Auswirkungen auf die Lese-/Rechtschreibentwicklung von LRS Kindern.

Deshalb spricht sich die ganz überwiegende Mehrheit der  neueren Übersichtsbeiträge, Dissertationen und Lehrbücher gegen (psychomotorische) Funktionstrainings bei der Arbeit  mit LRS Kindern aus.

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lrstab11: Fördermethoden bei Problemen in der Literacy-Entwicklung nach Mand 2008

Wesentlich in der Arbeit mit Kindern, die Probleme in ihrer Literacy-Entwicklung haben,  ist es zunächst, mit entwicklungsorientierten Angeboten zu arbeiten. In der förderdiagnostischen Arbeit ist es deshalb unverzichtbar, ausführlich  und präzise festzustellen, wo das Kind/der Jugendliche steht (sicher verschriftete Phoneme, Problemphoneme, bekannte Rechtschreibregeln, sicher angewendete Rechtschreibregeln, Probleme im Wortbildspeicher usw.). Hier sind Fehleranalyse und Lernbeobachtung die wesentlichen Methoden. Testverfahren sind in aller Regel nicht hilfreich.

In einem zweiten Schritt empfiehlt sich die Auswahl von für die Arbeit an den Problemen nachweislich geeigneten Fördermethoden (wichtig: altersgemessenes und kulturangemessenes Layout). Fehlt es an überzeugenden Befunden, bleibt nur ein systematisches Ausprobieren von Methoden, deren Wirksamkeit wahrscheinlich sein könnte.

In der pädagogischen Arbeit ist es dabei fast immer sinnvoll, Förderangebote so zu gestalten, dass sie attraktive Inhalte bieten & dass Lesen und Schreiben als sinnvolle Dinge verstanden werden.

Hilfreiche Methoden:

Kita: Phonologische Bewusstheit fördern, in die Welt der Schrift einführen, Bilderbuch-, Kinderbuch-, Wortschatz-, Gramatikarbeit, Vorformen des Lesens und Schreibens unterstützen

Lese-/Schreibanfänger: in  die Graphem-Phonem-Korrespondenzregeln  einführen (phonetisches Schreiben, Anlauttabellen, Wortbildübungen, Verwendung lauttreuen Materials, schreib-begleitendes Sprechen)

Fortgeschrittene Leser/Schreiber: Arbeit an Rechtschreibregeln (z. B. mit Selbstinstruktion), metakognitive Strategien (z. B. Fragestrategien zum Textverständnis)

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